Vesana

„Vesana ist der Schatten, den der Mond unter die Äste eines Baumes zaubert, sie ist die Dunkelheit, die abends aus den Kellern und Winkeln auf die Straße kriecht. Vesana herrscht dort, wo das Licht der Sonne nichts als ein fahles Leuchten ist. Das Wissen Vesanas ist nicht das Wissen um die Natur oder um Wissenschaften, ihr Wissen ist verborgenes Wissen, verbotene Weisheiten und dunkle Geheimnisse und ihr Schutz wird allen zuteil, die dieses Wissen im Grab ihres Körpers zu wahren vermögen.“



ÜBERBLICK


Prinzip: Mra-Aggar
auch genannt: Herrin der Nacht, die Mondgöttin, die Schlafbringerin, Herrin der Träume, Göttin der Diebe, Hüterin der Geheimnisse, die Glücksbringerin
Domänen: Nacht, Dunkelheit, Schlaf, Traum, Geheimnisse, verbotenes/verborgenes Wissen, Diebstahl, Cleverness, günstige Gelegenheit, Glück, Glücksspiel, Zufall
Symbole: Mond, Schlüssel
Farbe/Element: Blau, Wasser
Opfergaben: Geld, Teil der Diebesbeute, Verbrennen eines Pergaments, auf dem ein Geheimnis oder ein nächtlicher Traum steht



DETAILS


Der Kult der Vesana 1) verfügt über nur wenige große Tempel oder Kultstätten und diese heiligen Orte sind auch meist dem Teil der Göttin geweiht, der für die Nacht und den Mond steht. Vesana bedeckt mit ihrem Mantel der Nacht die gesamte Welt, verhüllt alles Elend und allen Reichtum, läßt Gold genauso grau erscheinen wie den Staub auf den Straßen. Sie schenkt dem Land und den Wesen Ruhe, sie bringt den Traum der Nacht, zeigt denjenigen, denen sie zugetan ist, in Träumen innere Geheimnisse und Wünsche. Vesana steht den Lebewesen Chrestonims sehr nahe, sie schenkt ihnen kurze glückliche Zufälle oder zeigt günstige Pfade für das Leben auf.

So wundert es nicht, daß Vesana zu den beliebtesten Gottheiten gehört, wenn auch niemand sich so recht zu ihr bekennen will.

Denn die Nacht ist auch die große Zeit der Diebe, die ihr häufig Opfer erbringen, damit die Nacht bloß recht dunkel und die Träume des Bestohlenen recht tief seien. Doch es gibt auch Diebe, die bei hellichtem Tage oder zumindest gutem Kerzenlicht ihr Handwerk vollführen: im Glücksspiel oder auch Falschspiel kommt es sehr auf Glück oder auch auf Fingerfertigkeit an. Ein Opfer an Vesana kann da nie Schaden.

Das der Vesana zugeordnete Element ist das Wasser, denn auch das Wasser verdeckt wie die Nacht manch einen Schatz, Wasser kann weich sein wie ein Traum aber auch hart und unbarmherzig wie die Schrecken des nächtlichen Dschungels, es zerrinnt zwischen den Fingern wie das Glück und man braucht es zum Leben und zur Erfrischung wie den Schlaf.



DIE PRIESTERSCHAFT


Als eine eingeschworene Gemeinschaft erscheint die Priesterschaft der Vesana. Ein paar geflüsterte Worte hier, ein Dokument unauffällig einem Glaubensbruder zugesteckt, man weiß nie so recht, was genau so ein Priester eigentlich gerade treibt. Definitiv sind die Priester aber keine Diebe oder Intriganten, auch wenn fast alle von ihnen sehr bewandert sind den Techniken, die dazu nötig sind.

An der Spitze des Kultes steht derzeit Dijha Eshàla Vesanjian Akkrijian, der „Nachtvogel“, wie der interne Name für die Oberste Hohepriesterin lautet. Ihr direkt unterstellt sind die „Traumhüter“, die jeweiligen Vorsteher der einzelnen Tempel, die wiederum über die Schar der einfachen Priester gebieten. Die Hierarchie ist jedoch nicht so streng, Befehle und Anordnungen sind nicht die Art der sanften Mondgöttin.

Neben den offiziellen Priestern in den Tempeln gibt es aber mit Sicherheit viele Gläubige, die die 'Ausbildung' als Priester genossen haben, nicht die Weihe erhalten haben, aber der Priesterschaft trotzdem sehr nahe stehen. Diese „Mondschatten“ sind stille Verehrer und halten die Priester über alles informiert, was diese Wissen müssen um für die örtlichen vesanafreundlichen Kreise einen wichtigen Drehpunkt für allerlei interessante Informationen darzustellen.



ORNAT UND GEBOTE



Das Bild wurde leicht verändert entnommen aus: Fading Suns Science Fiction Roleplaying, 1995 - Holistic Design Die offiziellen Priester der Vesana verfügen über ein festes Ordensornat. Es ist schlicht und zweckmäßig, strahlt aber große Eleganz aus. Die bevorzugte Farbe ist ein dunkles Blau. Bei Hohepriestern sind der Gürtel und die Ränder der einzelnen Kleidungssegmente mit silbernen Streifen geschmückt, das Gewand der Kultführerin schließlich ist über und über mit silbernen Stickereien versehen, in die auch kleine blaue Saphire eingearbeitet sind.

Unübersehbar ist das Symbol der Göttin Vesana mitten auf der Brust. Wie alle Kulte auch werden auch den Vesana-Priestern bei ihrer Weihe ein Pejura sinjian verliehen. Meistens sieht man die Vesana-Priester mit einem Kampfstab durch die Lande ziehen, mit dem sie erstaunlich gut umgehen können.

Vesana-Priester kennen nicht sehr viele Gebote, die sie befolgen müssen. Das allgemein gültige Priesterliche Gesetzbuch verpflichtet auch sie dazu, ein ihnen anvertrautes Geheimnis streng zu bewahren und niemandem außerhalb des Kultes weiterzugeben. Doch hin und wieder soll es vorgekommen sein, daß der eine oder andere dem Kult nahestehende Person dieses Gesetzeswerk sehr weitläufig ausgelegt hat. Und da die oberste Gerichtsbarkeit der Kulte die jeweiligen Hohepriester sind, werden solche geringfügigen Übertretungen auch nicht sehr streng geahndet.



ORDEN UND GLAUBENSSTRÖMUNGEN


Der Kult der Vesana erfreut sich einer erstaunlichen inneren Geschlossenheit. Anders als z.B. der Kult der Mehdora, die Dutzende von kleineren Glaubensgruppierungen kennt, gibt es bei Vesana tatsächlich nur eine einzige große Gemeinschaft. Der Kult wäre auch zu klein, um sich viele Orden leisten zu können.

Es gibt lediglich Unterschiede, was die Betonung der einzelnen Domänen innerhalb der Religion angeht. Ein Tempel mag wert darauf legen, Vesana als die Herrin der Träume und des inneren Wesens einer Kreatur wert darzustellen, ein anderer betont mehr die dunkle Seite des Kultes, indem ihr als Göttin der Finsternis und der verborgenen Geheimnisse gehuldigt wird. Doch sind die Unterschiede dabei nicht so groß, daß man diese Strömungen als unterschiedliche Glaubensrichtungen bezeichnen könnte.

Wie alle Götter des Neuen Kultes, hat auch Vesana sieben Kinder. Oftmals erwählen sich Gläubige einzelne der Götterkinder als Schutzpatrone.

Vayuna - sie wird als mit den Monden Chrestonim assoziiert angesehen und gilt als die ruhigste und sinnlichste der sieben Töchter Vesanas, steht auch für Romantik.

Viya - wird stets von Dieben angerufen, wenn sie sich Erfolg bei kleineren Diebstählen erhoffen, denn Viya hat ein wachsames Auge auf all jene, die sich auf gewitzte und origenelle Weise das nehmen, was sie partout nicht kaufen mögen. Oft werden ihr auch Taschenspielereien und kleinere Zaubertricks zugesprochen, so dass sie auch Anhänger bei allerlei Schaustellern und fahrendem Volk hat.

Vathama - stellt das personifizierte Glück dar, und gilt als Schutzheilige aller Glücksspieler und Spielhöllen, ihr Name wird gerne gerufen, wenn man sich Glück wünscht oder man gerade unglaublich viel Glück hatte.

Vogumu - sinnverwirrende, unergründliche Bringerin der Träume, die Vesanatochter ohne feste Gestalt, stets anders, unbestimmt, nicht greifbar wie die Träume selbst

Vijha 2)- das „Sandmännchen“ des Neuen Kultes, die Bringerin des Schlafes, jene, die laut den Müttern nicht mehr kommt, wenn die Kinder nicht rechtzeitig im Bett sind.

Vecara - gegen sie muss ein jeder antreten, der versucht, ein altes Geheimnis zu lüften, denn sie bewahrt diese und gibt sie nur jenem Preis, der sich auch wirklich darum bemüht.

Vaomu - die Trägerin des „Schleiers der Nacht“, eine geheimnisvolle Nachtgöttin, die die Farben auslöscht und allen Kreaturen der Nacht ihren nachtschwarzen Mantel der Unsichtbarkeit leiht.



ALS SPIELCHARAKTER


Vesana-Priester und Priesterinnen sind für das Rollenspiel sehr gut geeignet. Sie sind gewitzt und clever, einfallsreich und mit einer geheimnisvollen Ausstrahlung versehen. Sie geben gute Freunde ab und üben ihre Religion eher still für sich aus, als daß sie die ganze Zeit betend und belehrend irgendwelche Weisheiten von sich geben.

Wie bereits erwähnt verfügen Vesana-Priester über erstaunliche Fähigkeiten, die eher einem Dieb gut zu Gesicht stünden als einem Vertreter der hehren Geistlichkeit; sie sind Meister in den zahlreichen Taktiken des Verborgen-Bleibens, des Verstellens und allerlei Kunststückchen, die eine hohe Fingerfertigkeit voraussetzen.

Im folgenden seien ein paar Richtlinien für die Erschaffung eines der Vesana geweihten Charakters gegeben. Dies sind alles nur Vorschläge, keineswegs feste Regeln. Gestalten Sie Ihre Figur, so wie Sie möchten (innerhalb der durch die Wahl der Rasse gesetzten Grenzen). Folgen sie aber den anschließenden Vorschlägen, so erhalten sie einen typischen Vertreter der Priesterschaft



HEILIGE


Es ist nicht die Art des Vesana-Kultes, Mitglieder der eigenen Priesterschaft über alle Massen berühmt zu machen, ihnen Statuen zu errichten und dicke Bücher über ihre glanzvollen Taten zu schreiben. Es gibt aber Namen, die jeder Vesana-Gläubige kennen sollte, einfach, weil sie offensichtlich von der Göttin der Nacht begünstigt waren oder viel für den Kult getan haben und deswegen die Achtung aller verdienen.

Mrishca
Niemand weiß genau, woher die Chirà, die überall nur unter dem Namen Mrishca bekannt ist, kam oder wer sie war, aber sie hat unter der Bevölkerung eine derartige Popularität erlangt, daß ihr Name auch noch heute, über 100 Jahre nach ihrer Hinrichtung in aller Munde ist.

Mrishca kann man wohl als die begnadetste Meisterdiebin aller Zeiten bezeichnen. Stahl sie anfangs wohl nur, um sich selbst ernähren zu können, so wurde sie prominent, als sie dabei erwischt wurde, als sie in die Gärten des Herrscherhauses Jascara von der Adelskaste eindringen wollte. Die damals noch sehr junge Chirà wurde vor ein öffentliches Gericht gestellt. Während des Prozesses jedoch gelang ihr die Flucht aus dem Gerichtsgebäude und es gelang ihr auf der Flucht, der Richterin noch im Gerichtssaal ihres Schmuckes zu berauben. Dieser Vorfall machte natürlich Schlagzeilen und die Bevölkerung verfolgte ab sofort jede Nachricht mit großem Interesse, die von einem Diebstahl berichtete. Mrishca genoß offensichtlich die unfreiwillig gewonnene Popularität und begann, ein Erkennungszeichen zu hinterlassen. So tauchte an allen Ecken und Enden plötzlich ihr Name auf und die Liste ihrer Taten erreichte eine beachtliche Größe und Qualität. Sie stahl die unbemerkt die unglaublichsten Dinge: Redner in den Clansversammlungen vermißten plötzlich wichtige, brisante Dokumente, Obristen der Garde wurden ihrer Geldbörsen beraubt, sie stahl eine Hostinos-Statue aus einem Tempel und sogar die Herrscherin der Chrania fand, als sie sich nur kurz von ihrem Platz erhob und für vier Sekunden außerhalb ihres Arbeitszimmers war, statt ihres goldenen Tintenfasses nur das Zeichen von Mrishca vor.

Als sie nach fünf Jahren endlich gefaßt werden konnte, hatte sie ein unschätzbares Vermögen entwendet, doch konnte das Gold nirgendwo in ihrer Wohnung aufgefunden werden. Das Urteil lautete Tod durch öffentliche Hinrichtung. (Als man die Leiche dann fortbringen wollte, entdeckte man in ihrer Kleidung ein wertvolles Stück aus dem Besitztum des Henkers, das jener bei Beginn der Hinrichtung noch bei sich hatte.) Mrishca erfährt zwar keine offene Verehrung durch den Kult, aber sie gilt als eine Schutzheilige aller Diebe und Taschenspieler. Da sie aber offensichtlich von Vesanas Macht erfüllt war, spricht auch jeder Vesana-Priester mit Achtung und leuchtenden Augen über die Taten der Meisterdiebin

Ishena Khelatar Akkrijar
Deutlicher bekennt man sich da schon zu der chiranischen Frau, die den Vesana-Kult quasi begründete, indem sie den ersten offiziellen Tempel für die Göttin erbaute: den Mondtempel. Vor 1.200 Jahren stellte sie die erste (heute nicht mehr erhaltene) Statue der Vesana auf. Sie setzte das Ornat und die grundlegenden Statuten für den Kult fest. Ihr Name ist allen Vesana-Geweihten bekannt, jenseits der Tempelmauern ist sie jedoch nahezu unbekannt geblieben.



TEMPEL DER VESANA


Die Tempel der Vesana sind als solche meistens überhaupt nicht zu erkennen. Man geht durch eine enge Gasse der Hauptstadt der Allianz, tritt durch eine unscheinbare Tür und steht unvermittelt in einer großen, dunklen, marmornen Halle. Keine großen Plätze, keine Statuen, die auf den Tempeleingang weisen. Wer die genaue Lage der heiligen Stätte nicht kennt, der wird sie nicht finden.

Die Anlangen sind dementsprechend auch selten gleich gebaut. Es gibt kleine Hallen, von denen weitläufige Gänge mit zahlreichen Räumen abführen oder niedrige von Säulen gestützte Gewölbe. Grundsätzlich ist aber alles in dunklen Farbtönen gehalten, besonders Blau und Schwarz. Die Deckengewölbe sind oft mit feinen Darstellungen des Mondes oder mit verschlungener, silberfarbener Ornamentik geschmückt. Die wenigen Fenster sind mit blau gefärbtem Glas versehen, schwere Vorhänge schlucken fast jedes Geräusch. Die Tempel der Vesana sind stille und düstere Orte, aber sie strahlen nichts Bedrohliches oder Beängstigendes aus, sondern sie sind Stätten der Besinnung. Nirgendwo kann man seinen Träumen besser nachhängen als hier. Wer genug hat von Geschäften, Intrigen und schwerer Arbeit, der sucht einen Tempel der Vesana auf, sucht sich eine weiche Liege oder geht in einen der Nebenräume, deren Böden mit Kissen aus dunklem Samt bedeckt sind und entspannt in göttlicher Ruhe.

Die Priester halten sich gerne im Hintergrund, denn so etwas wie Gottesdienste gibt es nicht. Sie tragen dafür Sorge, daß diejenigen, die Ruhe und stille Entspannung suchen diese auch finden. So gibt es hier auch Räume - allerdings meist fernab der Haupthalle -, in denen beruhigende Kräuter geraucht werden.

In einigen Vesana-Tempeln hat sich auch so manch merkwürdiger Geselle zurückgezogen: Traumdeuter und Wahrsager versuchen die Wege des Glücks oder die inneren Botschaften der Seele zu erleuchten, gegen eine kleine Zuwendung in Form von einigen Münzen versteht sich. So sind Vesana Tempel allemal einen Besuch wert, gerade wenn man in stimmungsvoller Atmosphäre dem Besinnlichen oder Übersinnlichen frönen will.



WICHTIGE TEMPEL UND HEILIGE STÄTTEN


Die Halle der Nacht
in der Hauptstadt der Allianz stellt den einzig wirklich repräsentativen Prachtbau des Kultes dar und hier ist auch der Ort, an dem „Nachtvogel“ Dijha Eshàla residiert. Der Tempel liegt nahe dem Stadtzentrum nicht weit von der Clanspyramide der Chrania entfernt am Rande des Stadtviertels Rechàlavis auf dem Vambras, einer felsigen Anhöhe mitten in der Stadt. Der Tempel ist relativ neu, erst vor 50 Jahren wurde er fertiggestellt und ist einer der ersten Sakralbauten, die mit einer großen Hauptkuppel versehen wurden. Mächtige Säulen tragen den Vorbau, der eine Seite des Feyvà Nejhas bildet. Der Platz wird im Volksmund auch hin und wieder Richeya nejhyan („nebeliger Markt“) genannt, da vor dem Tempel täglich der größte Markt für Rauschmittel aller Art, vom Alkohol über Pülverchen zum Auflösen in jenem bis zu Tabak aller Sorten stattfindet. Wird das Stadtbild ja vor allem von den Farben Braun und Ocker, dem Weiß der Prachtbauten oder (hier nahe den Wohnvierteln der Adelskaste) dem Grün der Gärten geprägt, so schimmert die Halle der Nacht in tiefem Blau, was ihn unweigerlich zu einem Blickfang macht, zumal man ihn bereits aufgrund seiner erhöhten Lage und seiner mächtigen Kuppel schon von weitem sehen kann.

Das Innere ist dunkel und nur durch wenige Fenster erhellt, die noch mit Vorhängen leicht abgedunkelt sind. Es ist angenehm kühl in der großen Halle, die für eine Kultstätte der Vesana ungewöhnlich geschäftiges Treiben aufweist. Zwei große geschwungene Treppen führen zu einer Galerie hinauf, an der sich die Räumlichkeiten der wichtigsten Amtsinhaber des Kultes anschließen: Schriftmeister, Schatzmeister, oberster Lehrer und natürlich die Kultvorsteherin. Gerüchten zufolge sollen im Keller - direkt unter den Ruheräumen des Erdgeschosses - große Vorräte an Wein und diversen Kräutern lagern, doch mag dies auch nur Unsinn sein - schon häufig wurde den Vesana-Priestern einiges nachgesagt, was sich dann als Unfug herausstellte. Als eben solcher darf mit gutem gewissen auch behauptet werden, der Tempel sei bei seinem Bau über Gänge mit Teilen der alten Kanalisation verbunden worden und besitze eine Tunnel, der zum Mondtempel, dem zweitgrößten und ältesten Tempel der Vesana überhaupt führe. Sicher ist jedoch, daß sich im Keller die kleine Bibliothek befindet - nur knapp 140 Bücher und Schriftrollen finden sich hier. Alle beschäftigen sie sich natürlich mit den Sagen und Legenden rund um Vesana und ihre Heiligen, aber auch manches Buch über Traumdeuterei und sogar Kristallmagie mag darunter sein.

Der Mondtempel
Nur sehr schwer zu finden ist der Mondtempel, weil er sich perfekt in das Bild des alten Stadtzentrums der Allianzmetropole einfügt. Sein Eingang ist eine kleine, kaum chiràhohe Türe aus schwerem Eisen am Ende einer kleinen, engen, schattigen Gasse in einem alten, aber unbedeutenden Stadtviertel des Zentrums.

Sein Inneres ist verwinkelt und unüberschaubar. Verschiedene Ebenen, kurze Treppen, die auf von Säulen gestützte Plattformen führen, ein leise plätschernder Springbrunnen, dessen Wasser sich in einem kleinen Bach durch den Tempel ergießt und mit seinem Wasser einige mitten im Tempel wachsende Farne und Blumen bewässert. Man sagt, die Anlage erstrecke sich über mehrere Häuserblocks und sei größer, als die meisten anderen Kulte wissen. Wenngleich die neue Halle allen repräsentativen Zwecken einen angemessen Rahmen verpaßt, so finden die Priesterweihen und wichtige Versammlungen im Mondtempel statt. In den Untergeschossen, von denen es zahlreiche, wiederum vielmals ineinander verschlungene geben soll, liegen die verbotenen Zonen des Tempels, die fast nur Hohepriester aufsuchen dürfen. Man sagt, es soll dort unten eine silberne Schale mit flüssigem Metall geben, die, steckt man die Hand unter Anleitung von Priestern hinein, eben jene Hand durch ein Wunder der Vesana in eine der Eisenhände ersetzt, über die Priester der Vesana manchmal verfügen.


1) Betonung auf dem ersten A
2) sprich: Vischa, mit „sch“ wie der Anlaut in 'Journal' oder 'Genre'